Ratos de Porão

Published in Melodie und Rhythmus 4/2014

Kellerratten Der Punk der Rebellion

Ein Gespräch mit Sänger und Frontmann João Gordo

Wie beim Punk oft der Fall, begann auch die Geschichte des brasilianischen Hardcore in einem kleinen Ladengeschäft: Fábio Sampaio, später Shouter der einschlägigen Band Olho Seco, eröffnete 1979 im Stadtzentrum von São Paulo Punkrock-Discos (Punkrock-Schallplatten). Mit seinen Vinyl-Importen aus England und Skandinavien – vor allem aber mit den erschwinglicheren Mixtapes, die er selber zusammenstellte – schwor er die lokale Punkgemeinde auf den europäischen Knüppel-Hardcore von Discharge, Chaos UK und Kaaos ein. Continue reading

Stellungnahme zur Lage der besitzlosen Klasse

Published in Melodie und Rhythmus 4/2014

SleafordMods Stellungnahme zur Lage der besitzlosen Klasse

 

Sleaford Mods kamen entgegen weit verbreiteter Ansicht keineswegs aus dem Nichts. Sechs Jahre lang hatten die Briten an ihrem post-punk-lastigen DIY-Rap gebastelt, bevor sie mit dem programmatisch betitelten Album »Austerity Dogs« endlich Aufmerksamkeit auf sich zogen. Das neue Werk heißt »Divide and Exit«. M&R-London-Korrespondent Maciej Zurowski sprach mit dem Frontmann Jason Williamson.

»Mod« ist in der britischen Pop-Ikonografie ein kraftvoller Begriff. Er signalisiert Arbeiterjugend und Subkultur, seit den 90ern aber auch »Cool Britannia« und Nostalgie für ein »goldenes Zeitalter« Englands. Warum also der Bandname? Continue reading

Das Märchen vom kleineren Übel

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In der Theorie-Reihe des Hamburger Laika-Verlags erschien diesen Monat der Titel „Antifa heißt Luftangriff“, der eine marxistische Kritik sowohl am zeitgenössischen Antifaschismus vornimmt. Enthalten sind u.a. Beiträge von Moshe Zuckermann, Susann Witt-Stahl, und Michael Sommer, sowie meine Polemik „Das Märchen vom kleineren Übel“.  Continue reading

“Wen wir nicht verprügeln, den erschiessen wir”

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In England vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht der Glanzzeit des Punk gedenkt. Die Sex Pistols sind nicht erst mit Danny Boyles Olympia-Eröffnungsvideo Teil des Britishness- Konsensus geworden. Auf BBC wird man mit Punk-Retrospektiven geradezu bombardiert. Kein Wunder – war die frühe Londoner Punkszene doch die Schule derer, die heute in den britischen Medien-, Design- und Modeindustrien die Fäden ziehen.

Dem betont proletarischen und rowdyhaften kleinen Bruder des Punk wurde kein solches Schicksal zuteil: An Oi! erinnert man sich nur selten und mit Naserümpfen. Das untrennbar mit dem Skinhead- und Hooligan- Milieu verbundene Subgenre, das um 1980 von Bands wie Angelic Upstarts und The 4-Skins eingeläutet wurde, galt als reaktionäres Sammelbecken, in dem sich vorwiegend Schläger, Sexisten und Rassisten tummelten… Continue reading

Glaube an eine bessere Welt

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Laibach wechseln das Fach: Utopie statt Dystopie

Maciej Zurowski

‘Ein Gespenst geht um in Europa – doch um welches Gespenst handelt es sich? Das kleine Grüppchen stadtbekannter Neonazis, das am 12. März mit der schwarz-roten Fahne der Ukrainischen Aufständischen Armee ausstaffiert beim Laibach-Konzert im Londoner Village Underground einläuft, erinnert uns daran, dass im krisenzermürbten Europa auch ganz üble Gerüche wieder verstärkt in der Luft liegen. Dass es auch nach 24 Jahren Laibach noch Menschen gibt, die die theatralische Überidentifikation der slowenischen Band mit nationalistischen und totalitaristischen Signifikanten für bare Münze nehmen, ist eine Tragödie für sich. Continue reading

Animal liberation and Marxism

Published in Weekly Worker 994

animallib

 

 

 

 

 

 

 

 

 

‘Animal liberation’ has traditionally been a non-issue for the Marxist left. To those of us dedicated to human liberation, animal rights activism appears a curious and sentimental displacement of solidarity onto beings incapable of understanding or of returning it – at best, a symptom of our alienation from fellow humans.

At times, a fixation with animal suffering seems to shade into various degrees of misanthropy. Who has not been repelled by activists willing to jeopardise the lives of lab workers by sending letter bombs to pharmaceutical companies? And who in their right mind does not run a mile upon hearing the words, ‘I prefer animals to humans’? Continue reading

Civil war of the words

I’ve got a 1994 book called ‘The War of the Words – The Political Correctness Debate’. A typical product of its time, it counterposes contributions from those sceptical of PC – such as Melanie Philips voicing early doubts about her own liberalism – against essays from right-on ‘left’ personalities, e.g. Yasmin Alibhai-Brown bemoaning that “the most dispiriting aspect of it is how many liberals have joined in [the anti-PC backlash]”. Continue reading