Keine Alibi-Aktionen

Interview mit Steve Chandra Savale von Asian Dub Foundation

Foto: Umberto Lopez

Eigentlich wollten Asian Dub Foundation nur ein Benefizkonzert für asiatische Kids im Knast spielen und sich anschließend wieder auflösen. Doch dann entwickelte sich das 1993 gegründete Londoner Projekt, das aus mehreren Community-Workshops hervorging, zu einer richtigen Band. Ihre punkbeeinflusste Mischung aus Bhangra, Rap, Dub und vielen anderen Musiken klang wie eine Kriegserklärung an den trauten Britpop-Konsens, der Blairs »Cool Britannia« vorausahnte. Rassismus und Kolonialismus waren die Brennpunkte früher Werke wie »Facts and Fictions«. Elf Alben später hat sich die Gesellschaft Großbritanniens verändert Continue reading

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“Echte Künstler sind Revolutionäre”

Musikalische Marxisten in London fügen zusammen, was zusammen gehört: Musik und Politik.

association of musical marxists

Die Gründung der Association of Musical Marxists (AMM) in London im November 2010 war gewissermaßen eine Reaktion auf die zwei Gesichter der britischen Linken: Wenn sie unter sich ist, verfällt sie in ausufernde Theoriedebatten, die oft wenig mit gelebter Erfahrung gemein haben. In der Öffentlichkeit dagegen richtet sie sich mit bemühter Alltagssprache an »common people«, wirkt aber eher langweilig, denn »gewöhnliche« Menschen – das weiß der Musikschriftsteller und AMM-Mitbegründer Ben Watson – gibt es nicht.

Die AMM liebt die »Klarheit extremer Aussagen« – wie zum Beispiel von Adorno, den Situationisten und William Blake –, bei denen »sich dem einen die Haare sträuben und von denen andere sich inspiriert fühlen«, verrät Watson. Im Mittelpunkt steht Musik – ob nun auf Demonstrationen mit eigenem AMM-Transparent, beim Improvisieren im Pub oder in Publikationen des AMM-eigenen Unkant-Verlags. M&R-London-Korrespondent Maciej Zurowski sprach mit dem musikalischen Marxisten. Continue reading

Blockupy Frankfurt

nfa clowns

In the last couple of days, the eyes of the international left have been on Frankfurt and the massive Blockupy protest against the new, billion-euro European Central Bank headquarters in the German finance metropolis. And what images the protests gave us! From the beautiful – such as a massive banner spelling ‘capitalism kills’ unfurled across one of the central bank’s towers – to the surreal, such as clowns waving placards in front of burning police cars: David Lynch meets Dead Kennedys. Continue reading

Occupy-Konzerte in London

Gemeinsam gegen Gentrifizierung in der besetzten 12 Bar

nfa soho

Die 12 Bar musste im Rahmen einer groß angelegten Aufwertungs- und Säuberungskampagne des bis dato anrüchigen Stadtteils Soho ihre Pforten dichtmachen. Die Denmark Street, in der einst die Sex Pistols probten und die Rolling Stones ihr erstes Album aufnahmen, soll einem Multimedia-Komplex weichen, der laut Werbetext eine »interaktive, markenorientierte Erlebniswelt« bieten wird. Zudem werden – wie nahezu überall in London – Luxusappartements errichtet und alles Plebejische in Grund und Boden gestampft. Continue reading

Verdrängte Subkultur

nfa skin

Toby Motts Skinhead-Ausstellung in London hat nicht nur Begeisterungsstürme ausgelöst: Neben Abbildungen von traditionellen und antirassistischen Glatzen konnte man dort auch etliche White-Power-Skinhead-Exponate betrachten. Wie der Kulturhistoriker jedoch beteuert, handelte es sich um die »historische Dokumentation einer Kultur, die zumindest in England der Vergangenheit angehört«. Continue reading