Keine Alibi-Aktionen

Interview mit Steve Chandra Savale von Asian Dub Foundation

Foto: Umberto Lopez

Eigentlich wollten Asian Dub Foundation nur ein Benefizkonzert für asiatische Kids im Knast spielen und sich anschließend wieder auflösen. Doch dann entwickelte sich das 1993 gegründete Londoner Projekt, das aus mehreren Community-Workshops hervorging, zu einer richtigen Band. Ihre punkbeeinflusste Mischung aus Bhangra, Rap, Dub und vielen anderen Musiken klang wie eine Kriegserklärung an den trauten Britpop-Konsens, der Blairs »Cool Britannia« vorausahnte. Rassismus und Kolonialismus waren die Brennpunkte früher Werke wie »Facts and Fictions«. Elf Alben später hat sich die Gesellschaft Großbritanniens verändert: Auf dem am 10. Juli erscheinenden Longplayer »More Signal More Noise« erzählt »Zig Zag Nation« zum Beispiel davon, wie nationalistische Parteien nun auch mit dunkelhäutigen Kandidaten aufwarten, die gegen »Eindringlinge« aus Osteuropa hetzen. M&R sprach mit Steve Chandra Savale, dem Bandleader von Asian Dub Foundation.

Als Sie die Band gründeten, prägten »ethnische Spannungen« den Londoner Osten: Die British National Party kämpfte in den Straßen, und es gab viele rassistische Übergriffe. Was hat sich seitdem geändert?

Der 11. September 2001 hat zu einer Spaltung in der asiatischen Community geführt, deren eine Hälfte jetzt vor allem mit dem Islam assoziiert wird. Es ist eine sehr spezielle Art der Xenophobie, die sich durch eine globale Perspektive auszeichnet und politische Sachverhalte verzerrt wiedergibt. In Wirklichkeit verläuft die vorderste Front im Kampf gegen den Islamismus quer durch den Islam selbst: z. B. im Irak und in Afghanistan, wo der Wahhabismus den älteren toleranteren Sufismus bedrängt. Zudem werden viele junge Leute überhaupt erst jetzt zum Islamismus bekehrt. Das hat für mich wenig mit Religion zu tun, sondern damit, dass eine totale Lösung für entsetzliches Unrecht präsentiert wird, von dem es ja nun wirklich genug zu sehen gibt. Das Versagen der Linken in der Dritten Welt ist bestimmt mit ein Grund dafür, dass junge Leute sich dem Islamismus zuwenden – obwohl der ja im Kampf gegen die UdSSR und verbündete Nahoststaaten maßgeblich von den USA gefördert wurde. Heute präsentiert er sich als die einzige ernst zu nehmende Macht gegen die Brutalität des Westens.

Welches Großbritannien der 90er haben Sie in Erinnerung? Ein Land, in dem der Begriff »Multikulturalismus« Teil des ideologischen Mainstreams wurde? Oder Oasis, Chauvinismus und Union Jacks ohne Ende?

Im Gegensatz zu den großen musikalischen Bewegungen zuvor – ob Psychedelic, Punk oder Acid House – war Britpop musikalisch wie kulturell völlig regressiv.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2015, erhältlich ab dem 26. Juni 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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