“Echte Künstler sind Revolutionäre”

Musikalische Marxisten in London fügen zusammen, was zusammen gehört: Musik und Politik.

association of musical marxists

Die Gründung der Association of Musical Marxists (AMM) in London im November 2010 war gewissermaßen eine Reaktion auf die zwei Gesichter der britischen Linken: Wenn sie unter sich ist, verfällt sie in ausufernde Theoriedebatten, die oft wenig mit gelebter Erfahrung gemein haben. In der Öffentlichkeit dagegen richtet sie sich mit bemühter Alltagssprache an »common people«, wirkt aber eher langweilig, denn »gewöhnliche« Menschen – das weiß der Musikschriftsteller und AMM-Mitbegründer Ben Watson – gibt es nicht.

Die AMM liebt die »Klarheit extremer Aussagen« – wie zum Beispiel von Adorno, den Situationisten und William Blake –, bei denen »sich dem einen die Haare sträuben und von denen andere sich inspiriert fühlen«, verrät Watson. Im Mittelpunkt steht Musik – ob nun auf Demonstrationen mit eigenem AMM-Transparent, beim Improvisieren im Pub oder in Publikationen des AMM-eigenen Unkant-Verlags. M&R-London-Korrespondent Maciej Zurowski sprach mit dem musikalischen Marxisten.

Warum haben Sie AMM gegründet?

Inspiriert wurden wir von einem Vortrag über französischen Rap auf einer marxistischen Akademikerkonferenz vor fünf Jahren. Die Referentin unterzog das Thema einer trockenen, von Bourdieu inspirierten Analyse und ließ nicht einmal ihre Meinung durchscheinen. Wir dachten: Dieser Strukturalismus hat nichts mit Marxismus zu tun, denn letzterem ist eine Subjekt-Objekt-Dialektik zu eigen – er bezieht Stellung. Marx hat messerscharfe Polemik und Satire gemacht und wollte die Welt verändern. Marxismus darf nicht zu einer akademischen Unternehmung verkommen, sondern muss mit aktiver Politik verbunden sein. Zudem braucht jede revolutionäre Bewegung eine Gegenkultur. Sie muss aus der kulturellen Erfahrung ihrer Generation schöpfen, anstatt nur von »Experten« belehrt zu werden.

In Ihrer jüngst erschienenen Unkant-Kollektion »The Assassin« führen Sie Punk als Schlüsselerlebnis und beispielhaften Frontalangriff auf den guten Geschmack an. Doch die Ur-Punks sind heute Teil der Kulturelite, und die BBC feiert ihre wilden Jahre pausenlos ab.

Mag sein. Aber als wir jung waren, berichtete der New Musical Express (NME) ständig über The Smiths, die zwar Interessantes zu sagen hatten, deren Musik aber öde war. Dann sahen wir die Bad Brains – damals die aufregendste Band der Welt – und fühlten uns vom NME betrogen.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 3/2015, erhältlich ab dem 30. April 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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